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Monday, 25. october 2010 1 25 /10 /Okt. /2010 09:06

Road Trip Special - Weißer Rauch über Fraser Island
 
Es hat alles so schön angefangen: Reifendruck gesenkt, durch die ersten paar Meter Sand gedüst - und rauf auf die Fähre nach Fraser Island. Ich erinnere mich jetzt wage, dass Damien etwas erwähnt hatte von wegen, die Kupplung ist nicht mehr die beste - oder so, zu diesem Zeitpunkt war mir das allerdings herzlichst egal, schließlich lag Fraser vor uns - der Höhepunkt des Roadtrips!
 
Ja, wie soll man diese Insel beschreiben? - Vorweg: Straßen gibt es keine, der Strand ist sozusagen die Hauptstraße - da darf man auch 80 fahren. Gleichzeitig ist der Stand aber noch Flughafen, Fischereiplatz, Campingplatz und halt - Strand. Alle "Straßen" die landeinwärts führen sind mehr oder weniger dürftig ausgeschlagene Waldschneisen - dort darf man immerhin noch 30 fahren (das hört sich vielleicht jetzt nicht schnell an aber - 10 bis 15 km/h sind dort eher realistisch). Fraser Island ist ca. 150 km lang und 20 km breit, einige felsige Stellen ausgenommen macht das über den Daumen gepeilt 300 km perfektesten weißen Sandstrand / Autobahn ;-) . Außerdem ist Fraser DER Treffpunkt für alle, die das wilde suchen und ihr Allradfahrzeug mal so richtig ausreizen wollen - weiter weg von einer Straße kommt man mit einem Auto nur schwierig. - Die Vorfreude ist damit hoffentlich vorstellbar.
 
Der erste Tag erfüllte diese Erwartung alle - und war noch besser als das! Der Pajero machte eine super Figur auf den verschlungenen Sandpisten und am Strand entlang. Wie kleine Kinder haben wir uns über jeden Hüpfer, jeder Wasserquerung und jedes noch so kleines Schlagloch gefreut. - Wahnsinns Erlebnis. Dann haben wir noch an einigen Seen Station gemacht - was soll ich sagen - Bilderbuch! Weißer kann kaum ein Strand und klarer kaum ein See sein. Nichts desto trotz war das Wetter nicht 100%ig auf unserer Seite. Es regnete zwar noch nicht, doch war es zugezogen. Das positive daran: So hatte der zweite Tag noch ein Schauferl nachzulegen - unter der heißen Sonne Queenslands zogen wir an Tag 2 unsere Runden auf Fraser - bis Damien etwas übermütig wurde.
Ein Schild mit dem Hinweis "Achtung weicher Sand! - Nur erfahrene Fahrer!" kann natürlich auch als Herausforderung aufgefasst werden. Nach rund einer halben Stunde, weiterem drastischen Absenken des Reifendrucks gefühlten drei Tonnen Sand-unter-Rädern-wegschaufeln und ungezählten "Daumen-hochs" von vorbeiziehenden tatsächlich erfahrenen Sandpistenfahrern, schafften wir es doch wieder an den Strand zurück. So weit so gut - das einzige was sich geändert hatte war der Geruch im Auto - ein bisserl wie verbrannte Reifen - aber dann doch etwas mehr wie KUPPLUNG!!! Einem "erfahrenen" Sandpistenfahrer oder zumindest halbwegs intelligenten Autofahrer hätte es jetzt eingeleuchtet das Fahrzeug zumindest mal abkühlen zu lassen. - Nicht das Damien zu einer dieser Kategorien zu zählen wäre. Eine weitere Kategorie in die man ihn nicht einordnen kann ist "guter Zuhörer". Nett gemeinte Aussagen von mir wie "Hey Dude, I think you really fucked you clutch! - You should stop and check!" oder Josies "Man, that sounds awful! - Maybe you should stop and check!", verhallten ohne Reaktion. Ok, weder der Geruch noch die Geräusche ließen nach, ganz im Gegensatz zur Vortriebskraft unseres Autos, die machte Anstalten sich gegen null zurückzuziehen - langsam aber stetig - man hätte es kaum bemerkt, wären da nicht der Gestank und der Lärm gewesen!!!! Gut, jetzt war eh nix mehr zu machen, wir waren schließlich auf dem Weg in Richtung Fähre zurück zum Festland, die Flut war noch etwa 2 Stunden weg, die Anlegestelle noch ca. 15 km - müsste doch zu schaffen sein. Nun ja, wäre es auch gewesen, hätte sich nicht zum Gestank und Lärm auch noch weißer Rauch gesellt - das war der endgültige Todder Kupplung! Ein letztes Aufheulen des Motors, ein letztes geschrienes französisches Wort, dessen Übersetzung ich gar nicht wissen will - und dann Stille. Wir schauten zuerst nach vorne, zum in Sicht befindlichen Fährhafen, dann in Richtung Meer, das sich anschickte in kuschlige Nähe zu kommen und uns schließlich gegenseitig teils fragend, teils panisch an. - Was nun? Ist ja schließlich nicht so, dass es viele Idioten gibt, die sich um diese auf dem Strand bewegen - außer uns!
Großer Auftritt von Damiens Notfallausrüstung: Eine Handwinde und zwei Gurten im wesentlichen, zwei viel zu kurze Gurten, schließlich waren wir am STRAND!!! Gut, oben auf den Dünen waren einige kleine Bäumchen, unsere Chance! Das Gurtsystem das wir da zusammengeschustert haben, hätte eigentlich jedem Feuerwehrler (und Damien und ich sind welche!!) die Tränen in die Augen treiben müssen. Knotenkunde hat überraschend tiefe Spuren hinterlassen - das war schon mal kein Problem! Das alleine hilft aber auch nicht sonderlich viel, wenn man nix zum zusammenknoten hat - also zusammenknoten was da ist und das beste hoffen. Im wesentlichen bestand unser Leinenzeug zwischen Fahrzeug und Bäumen aus 2 Abschleppgurten, 3 Gepäckgurten und 2 Trageriemen von Reisetaschen - naja, besser als garnix. Damit und mit dem letzten Bisschen Rauch, den die Kupplung noch hergab schafften wir den 3 Tonnen Kübel schließlich bis an den äußersten Rand des Strandes - direkt vor die Dünen - einige Meter gewonnen!
Josie hatte in der Zwischenzeit über einige Notrufnummern einen Abschleppdienst auf der Insel erreicht - was bei dem Telefonempfang dort einem mittleren Wunder gleichkommt. Der versicherte "so schnell wie möglich" bei uns zu sein. Wer schon mal in Australien war wird wissen, dass "so schnell wie möglich" ernstgemeint sein, genauso gut aber auch "morgen - vielleicht, oder auch später" heißen kann. Uns blieb nur: hinsetzten, der Flut beim steigen zuschauen und warten. Gott sei Dank war George, der Abschleppmensch von Fraser Island, innerhalb einer halben Stunde da (Zeit bis zum Höhepunkt der Flut ca. 45 min.) Er hatte eine gute und eine schlechte Nachricht zu verkünden:
 
Die schlechte:
Er kann leider nix für uns tun, da er bei diesem Wasserstand niemanden, garnirgends hinschleppen kann. (Seinem Gesichtsausdruck nach, sah Damien spätestens jetzt seinen geliebten Pajero auf den Pazifik hinaustreiben.)
 
Die gute:
In den verbleibenden 45 min. wird die Flut noch geschätzte 5 cm steigen, wir sollen uns also nicht in die Hose machen. *YIIIIIIEEEEEEEEEHHHAAAAAAAAAAAAAA* - wir werden überleben!
 
Weiters erklärte uns George, dass er morgen vor 14:00 Uhr sowieso nix für uns machen kann, da gegen 8 Uhr morgens noch eine Flut einsetzt und die erst nach mittags zurückweicht. - Wir sehen uns also morgen Nachmittag - viel Spaß!
 
Einigermaßen erleichtert gingen wir schlafen. Den nächsten Vormittag hatten wir zeit um verschiedene Verwendungsmöglichkeiten von angeschwemmten Kokosnüssen zu erforschen:
 
Alleine: geeignet um Beach-Rugby zu spielen.
In Kombination mit diversen Stöcken: Beach-Golf oder Fahnenmasten
 
Nicht geeignet hingegen ist die Milch - *spuck,pfui* - der Weg aus der Karibik ist ein weiter!
 
George hat uns dann, wie vereinbart nachmittags zur Fähre und dann in eine Werkstatt geschleppt. Mick, der Mechaniker und seine Kumpels haben uns herzlich aufgenommen. Wir dürfen auf seinem Gelände zelten, und die erste Nacht haben wir bei Bier, Burbon und  Signalraketen gemeinsam durchgemacht. Zugehen tut's hier wie in einem schlechten amerikanischen Road-Movie: Campen auf dem Schrottplatz ein einziger bierbäuchiger, ölverschmierter Mechaniker im Ort, ein Kumpel mit nur einem Bein, der andere Vollbart, sonnengegärbt und voll mit Motorad-Unfall-Geschichten, die Dusche ist ein Gartenschlauch und in der Toilette wohne ein Frosch - sowas von Road-Trip-Style!!! - Aber es gibt schlimmer Orte auf der Welt um festzusitzen. Rainbow Beach hat seinen Namen ja nicht von irgendwo - sondern von seinem riesen Strand, der in verschiedenen Farben schimmert - dort gratis festsitzen wo andere Urlaub machen - ein vertretbares Schicksal, wie ich finde.
 
Wir hoffen, dass das Auto bis Mittwoch wieder fährt - weiteres folgt, sobald ich mehr weiß!
 
Lg, in die Heimat!

 

Bilder:

 

Fraser-Island Fraser-Island

von max-in-austrialia.over-blog.de
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