Goodbye Sydney!
In den letzten Wochen habe ich die Stadt kennen und lieben gelernt. Nicht nur leben dort einige Menschen, die mir lieb und teuer sind, sondern die Stadt an sich hat
mich mit ihrer Schönheit und Energie vollständig vereinnahmt. Besonders beeindruckend war für mich der Kontrast den Sydney in so vielerlei Hinsicht bietet. Am augenscheinlichsten wird das, wenn
man sich vom Zentrum i n Richtung Süden bewegt. Man geht die George Street und Martin Place runter und befindet sich mitten im Trubel des Großstadtlebens mit all seinen Facetten - Anzüge,
beschäftigt dahin laufende Menschen und Touristen. In genau dieser Atmosphäre erreicht man die Macquarie Street, überquert sie und steht mitten in den Royal Botanical Gardens. - Mit einem Schlag
ist es still und eine entspannte Ruhe umfängt einen - und man hat nur eine einzige Straße überquert. Ich kann wohl behaupten, dass das mein Lieblingsplatz in Sydney geworden ist - ok die Strände
sind auch nicht schlecht ;-). In den botanischen Gärten habe ich dann auch einige meiner letzten Tage in Sydney verbracht - einfach rumwandern, hinlegen, ein Buch lesen - irrsinnig
entspannend. Geht man dann noch etwas weiter kommt man in die Royal Domain - eigentlich auch noch ein Teil der riiieeeeesigen Gärten. Dor finden sich dann die Gebäude aus der Gründungszeit
Sydneys - und man sieht Gebäude, wie man sie auch in europäischen Altstädten vermuten würde - halt nur ein paar hundert Jahre jünger. Dort hab ich dann einen Kulturtag eingelegt und mir die St.
Mary's Cathedral und die New South Wales Art Gallery angeschaut. - Mal etwas zum Kontrastprogramm zum ewigen am Strand rumliegen ;-).
Die Weeks-Familie hat mich dann auch noch geben mal was typisch österreichisches zu kochen - und so gab's am Abend (wie könnte es anders sein) Schweinsbraten mit
Semmelknödel und Sauerkraut. - Man war durchwegs begeistert.
Als dann die letzen Tage immer näher rückten haben die Mädels (Pip und Sharlene) noch mal echt ein starkes Programm abgezogen. Mit Pip gings einen Tag raus auf West
Head, eine Landzunge etwas nördlich von Sydney, wo man einen echt geilen Ausblick über die Nationalparks und das Meer hat. - Und es wurde noch besser. Zusammen mit den zwei machten wir einen Tag
lang eine Tour die South Coast runter. Erster Stopp Royal National Park. Auf das war ich nicht vorbereitet! Ein kleiner Wasserfall und eine echt coole Lagune wo der Fluss, der über die Fälle
runterkommt ins Meer fließt. Schlecht mit Worten zu beschreiben - schaut euch doch die Bilder an! - also erst mal eine Runde schwimmen und ein paar Sprünge den Wasserfall runter!
Soooooooooooooooooooooooooooooooooo geil!
Kleiner Exkurs:
Woran merkt man, dass seine Freundin schon zu lange Jura studiert?
Man fragt: "Ist das Wasser hier tief genug um vom Wasserfall runter zu springen"
Antwort: "Rein rechtlich gesehen nicht!"
(Verbotsschilder sind überbewertet!)
Naja, was soll's - nach dem plantschen an den Wasserfällen ging's weiter runter über den Great Pacific Drive. Das ist auch eine coole Angelegenheit. Ich kann mir
das Gespräch der Planer dieser Straße im Vorfeld bildlich vorstellen:
"Du! Der Untergrund hier ist irgendwie nicht ganz stabil genug um einen Highway drüber zu bauen!"
"Scheißegal - den bauen wir!"
10 Jahre später:
"Du! Der Untergrund war wirklich nicht ganz stabil genug!"
"Warum?"
"Der halbe Highway liegt im Meer!"
"Scheiße!"
"Ja, genau."
"Egal, wieder aufbauen!"
"Du! Der ganze Fels ist weg!"
"Kacke!"
"Ja, genau."
"Dann bauen wir auf Stelzen!"
"Hast du einen Vollschatten??!!??"
"Nein, ehrlich Stelzen! - Denk nicht, mach einfach!!"
Und so wurde einfach ein Stück Highway auf Stelzen raus ins Meer gebaut - schaut echt geil aus!
(Kuckst du Fotos)
Danach sind wir ein eine kleine Ortschaft an der Küste essen gegangen und dann 4 Stunden Fahrt zurück nach Sydney. - Dort haben uns dann schon einige Freunde
erwartet und wir sind runter zur Harbour Bridge und haben uns ein nettes Picknick und ein paar Flaschen Wein gegönnt - cooler Tag!
Dann war es soweit: mein letzter Tag in der Stadt - oder besser gesagt außerhalb. Ich war nämlich auf dem Weg in die Blue Mountains um dort in 10 Tagen eine
buddhistische Meditationstechnik zu erlernen - aber dazu später mehr. Pip hat sich bereit erklärt mich hinzufahren, da ich erst um 6 am Abend dort sein musste hatten wir dann noch den ganzen Tag
in Bergen. Da Pip neben ihrem Studium für die National Parks arbeitet, kennt sich natürlich auch dort oben einige echt sehenswerte Fleckerl. So verbrachten wir den Tag an den Wenworth Falls. Also
ich hab in meiner Zeit in Australien ja schon einige geile Wasserfälle gesehen aber das hat wirklich alles geschlagen!! Ich hab keine Ahnung wie weit der eigentlich runter geht, aber einige
hundert Meter sind das sicher bis ganz in Tal. Pip und ich sind den steilen Felssteig runter geklettert um zum Mittelplateau zu gelangen. (Wer sich noch an meinen ersten Ausflug in die Blue
Mountains erinnert, hat vielleicht noch das Bild von den Katoomba Falls in Erinnerung - schaut auch so ähnlich aus, mit dem Plateau und alles, aber ungefähr fünf mal so groß.) Erst waren wir da
unten ganz alleine und hatten eine echt geile Zeit: Ein bisserl schwimmen, ein bisserl rumklettern in den Fällen - super!! Anscheinend haben wir dadurch Wanderer vom Weg weiter oben motiviert,
die dann auch runter gekraxelt sind um es uns gleich zu tun. Wir haben noch schnell ein paar Fotos gemacht und sind dann wieder rauf. Es wurde dann auch langsam Zeit! Ich musste ins Camp! Pip
brachte mich noch hin, schweren Herzens haben wir uns dann schon im vierten Land dieser Erde verabschieden müssen - und für mich begannen die Tage der Stille - im wörtlichen Sinn.
Gehört hab ich von diesem Meditationscamp zum ersten mal im Hippiedorf, wo ich die ersten Wochen meiner Australien-Reise verbracht habe. Ein spanisches Mädel hat
sich gerade dahin aufgemacht als ich angekommen bin und hat mir davon erzählt. Eigentlich hatte ich es in der Zwischenzeit schon wieder vergessen gehabt. Als der Roadtrip dann aber zu Ende ging
und ich mir Gedanken machte, was meine nächsten Schritte in Australien sein werden. Viel es mir wieder ein - und ich hab mich angemeldet.
Kurz mal ein paar grundlegende Regeln im Camp:
Der Kurs dauert 10 Tage - die musst du durchziehen, wenn du dich anmeldest. Du wirst vorher ungefähr 10 mal gefragt, ob du dir sicher bist.
Für diese 10 Tage musst du "Edle Stille" bewahren. Das heißt: keine Kommunikation wie auch immer (Sprechen, Gestik, Mimik, Schreiben) - du sollst dich auf dich
selber Konzentrieren
Außerdem gilt es noch ein paar buddhistische Grundregeln einzuhalten. Die wichtigste ist: Töte nicht! - Das heißt kein Fleisch und Gelsenstiche hast du gefälligst
zu ertragen wie ein Mann!
Damit zum Tagesablauf:
Aufgestanden wird um 04:00 (morgens!!!!) - 2 Stunden Meditieren - Frückstück - 3 Stunden Meditieren - Mittagessen - 4 Stunden Meditieren - Teepause (Abendessen
gibt's nicht) - nochmal 3 Stunden Meditieren - und um neun geht's ab ins Bett.
Als ich den Essensplan zum ersten mal gesehen habe, bin ich vor Freude fasst auf den Tisch geknallt. Schließlich bin ich ja bekanntermaßen seit Jahren ein riesen
Fan von biodynamischem Tofu und zu dünn gebrühten Heißgetränken. Ohne Scherz: Ich hab schon wirklich gut vegetarisch gegessen und hab absolut nix dagegen mal auf Fleisch zu verzichten, aber der
Schleim den wir da vorgesetzt bekamen - *pfuispuck*. Aber schließlich soll ja auf jede Form von Genuss verzichtet werden (das schließt Sachen wie Alkohol, Zigaretten, Kaffee oder auch Schwarztee
mit ein!!!). Naja - Nach dem dritten Tag Gemüsepampe mit - keine Ahnung was da alles drinnen war - gab's vor lauter Freude kein halten mehr - zumindest für meinen Zwölf-Finger-Darm. So hatte man
in den Pausen zumindest was zu tun.
Die ersten drei Tage haben wir damit verbracht eine Meditationstechnik zu erlernen die unseren Geist konzentrieren und schärfen sollte. Diese besteht einfach darin
seinen Atem zu beobachten - wie er hereinkommt, wie er hinausgeht - 3 Tage lang. Was so einfach klingt ist ungemein schwierig. Wer will kann's ja versuchen. Anfangs schafft man es einige Sekunden
lang ohne, dass einem ein Gedanke aus der Konzentration reißt. Gegen Ende der 10 Tage konnte ich dann mehr als eine Stunde in völliger Konzentration ausharren - und war vollständig ruhig. Später
erlernten wir die Haupttechnik genannt Vipassana. In groben Worten beobachtet man dabei seinen ganzen Körper und die verschiedenen Regungen die Auftreten, jedes Kitzeln, jedes Kribbeln auf der
Haut, Schwitzen, Wärme- und Kälteempfindungen - alles. Gegen Ende des Kurses konnte man einen richtigen Energiefluss durch den ganzen Körper fühlen. Sinn machte das deshalb, weil sich alle
"Verknotungen" d.h. Komplexe, angestaute Emotionen, ungesunde Verlangen udgl. sich im Körper irgendwo manifestieren. Durch das schlichte Beobachten bringt man diese vom Unbewussten in die
Bewusste Ebene des Geistes und kann sie auflösen. - Und das härteste daran ist: es funktioniert! Für diese 10 Tage heißt das, du durchlebst all deine unangenehmsten Gefühle deines Lebens
innerhalb dieser Zeit noch einmal - mit allem was dazugehört. Details kann ich euch ja berichten wenn ich wieder daheim bin. Fakt ist, dass ich an den ersten drei Abenden so am Boden war,
dass ich nicht gedacht hätte, dass ich bis zum letzten Tag durchhalten würde. Dazu kommt, dass man sich ab Tag 4 in den Gruppenmeditationen (3 x am Tag für eine Stunde) nicht mehr Bewegen darf -
1 Stunde Schneidersitz - Hände gefaltet - Augen geschlossen - alles tut dir schon nach einer halben Stunde weh. Es ist also auch körperlich richtig schmerzhaft und anstrengend - das ist aber auch
Sinn der Sache. Mann soll lernen auch in schwierigen und schmerzvollen Situationen ausgeglichen und konzentriert zu bleiben. Zusammenfassend kann man sagen, dass das vielleicht eine der
schwierigsten Sachen war, die ich in meinem Leben gemacht habe. Wenn du nach diesen 10 Tagen rauskommst und du fühlst diese innere Ausgeglichenheit und eine Leichtigkeit in dir, als wären alle
alten Lasten von dir abgefallen und du siehst die breiten Grinsen auf den Gesichtern der anderen Teilnehmer (ca. 100 Leute nahmen Teil), weißt du aber, dass es sich gelohnt hat. So gut wie
zurzeit habe ich mich schon seit Jahren nicht mehr gefühlt. Zurzeit schaffe ich es das Meditieren zweimal am Tag aufrecht zu erhalten - mal sehen wie das wird, wenn ich wieder in Österreich
bin.
Am letzten Tag des Camps, als wir wieder sprechen durften, habe ich dann Nitin kennen gelernt. Er war aus Kuwait aber seine Eltern stammen ursprünglich aus Indien
und er studiert zurzeit in Sydney. Mit ihm und einigen seiner Freunde verbrachte ich dann meinen letzten Abend in Sydney und ich durfte auf seiner Couch übernachten. Das coole war, dass er in
Marubra wohnt, einem Stadtteil von Sydney direkt am Strand. Da mein Flieger nach Melbourne erst um halb drei nachmittags ging und Nitin auf die Uni musste, hab ich also noch einen schönen
Vormittag auf Marubra Beach verbracht.
Noch mit Sand zwischen den Zehen bin ich dann ins Flugzeug gestiegen und ab Richtung Süden. Das war gestern. Leider regnet es zurzeit in Melbourne, aber das gibt
mir immerhin die Zeit meinen Blog wieder mal auf den neuesten Stand zu bringen.
Mir bleiben jetzt noch 5 Tage um Melbourne auszukundschaften, bevor es von hier aus wieder in die Heimat geht! - Wir sehen uns in Kürze!
Bilder:
goodbye sydney